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L o u n g e
29.6.2007
LUA

"Cause what is simple in the Moonlight by the morning never is"
-Conor Oberst

Henri sah sie zufällig an der Ecke in der Einkaufsstraße, an der früher immer der alte Leierkastenmann stand, um den sich das Gerücht hielt, vor ein paar Monaten einsam gestorben zu sein.
Sie sah gut aus in ihrem leichten Sommerkleid und der engen dunkelblauen Jeansjacke, die er noch von früher kannte. Lachend ging sie weiter die Straße hinunter, Hand in Hand mit einem Typen, den Henri vom Sehen aus der Uni kannte. Er war sich nicht sicher, ob er seinen Namen schon mal irgendwo gehört hatte.
Ein paar Augenblicke blieb er regungslos auf der Stelle stehen, dann schüttelte er den Kopf und machte sich auf den Heimweg. Sollte er sich nicht dafür freuen, dass sie glücklich zu sein schien?
Sein Weg war nicht sonderlich weit, seit er die Stelle beim Professor bekommen hatte und sich so eine größere Wohnung in einer anderen Gegend leisten konnte. Vor dem Haus passte er ein paar spielenden Nachbarskindern einen daneben gegangenen Fußball wieder zurück und grüßte im Treppenhaus den alten Paschke, der, wie immer, durch seine, einen spaltweit offene Wohnungstür nach dem Rechten sah.
Er ging in die Wohnung, stellte seine Einkäufe auf dem Küchentisch ab und öffnete den Kühlschrank, um alles einzuräumen. Dann überlegte er es sich anders, schloss den Kühlschrank wieder und verließ die Wohnung, um ins „Bleach“ zu gehen. Dorthin, wo alles angefangen hatte. Na ja, fast alles, denn gekannt hatten er und Paula sich ja eigentlich schon früher.
Der alte Paschke schien sich zu wundern, als Henri die Treppen wieder hinunter ging, nur so kurze Zeit später. Wahrscheinlich würde ihn das nun den ganzen Samstag beschäftigen, zumindest solange, bis die Sportschau anfangen würde.
Der Weg zum „Bleach“ kostete weit mehr Zeit als der vorherige von der Innenstadt bis zu seiner Wohnung. Früher hatte er einfach nur die Treppe hinunter gemusst und war da gewesen.
Als Henri die Tür der Kneipe öffnete, stellte er mit einer gewissen Befriedigung fest, dass sich zumindest hier nichts zu verändert haben schien: An den Wänden hingen immer noch die gleichen grobkörnigen Fotos Musikern und Dichtern, von denen die meisten schon tot waren. Thilo, der Wirt, schien immer noch den gleichen selbst gestrickten Pullover zu tragen, nur seine langen braunen Haare und der Bart waren ein bisschen grauer geworden, und obwohl es erst vier Uhr am Nachmittag war, hatten fast alle Gäste schon ein Bier- oder Weinglas vor sich stehen.
Viele von ihnen kannte Henri noch, zumindest vom Sehen. Direkt neben der Tür, unter dem Jimi Hendrix Portrait, saß die schöne Künstlerin, die, bis auf den roten Seidenschal, immer vollkommen in schwarz gekleidet war, und rauchte. Ein einziges Bild von ihr hatte Henri früher einmal gesehen, das, wie sie sagte, von einer Südamerikareise inspiriert worden war. Es bestand aus maisgelben und dunkelroten Flächen, hatte keinen Titel und Henri hätte es nicht ansatzweise mit Südamerika in Verbindung bringen können, aber er war sich andererseits auch sicher, nicht wirklich viel von Kunst zu verstehen.
Weiter hinten, neben dem alten und bärtigen Hemingway hockte der alte Kommunist neben dem unveröffentlichten Schriftsteller und erzählte ihm etwas, wahrscheinlich vom 17. Juni, so, wie er es immer tat, wenn er zuviel getrunken hatte.
Obwohl Henri nun schon über ein Jahr nicht mehr hier gewesen war, schienen die Stammkunden ihn zu registrieren, wenn auch sonst nicht weiter zu beachten. Die schöne Künstlerin nickte ihm kurz zu und der alte Kommunist blickte kurz von seinem Weinglas auf, um sich dann wieder seinen Anekdoten zu widmen.
Er setzte sich an den Tresen und Thilo stellte wortlos ein Glas Whiskey vor ihn hin. Es gab keine Begrüßung, kein Nichts, aber als Thilo dann zum Plattenspieler ging und „Pink Moon“ von Nick Drake auflegte, gab er Henri das Gefühl, geborgen zu sein. Geborgen an einem ort, der ihm weder fremd noch vertraut war.
Damals, als Henri noch in der kleinen Wohnung über dem „Bleach“ gewohnt hatte, war er oft dort gewesen, vielleicht zu oft.
Es war die Zeit in seinem Leben, in der er nicht wusste, wohin er ging und woher er kam. Das Studium schliff und die Leute, die einmal seine Freunde gewesen waren, verwehten sich immer mehr in dem Wind, der ihn selbst immer mehr in den Abgrund drückte, in den er fiel. Die Abende im „Bleach“ gaben ihm wenigstens eine Art Anschein von gebrauchter Routine, auch wenn er meistens viel mehr trank, als es für ihn gut gewesen wäre.
Im „Bleach“ hatte er dann auch Paula wieder getroffen.
Viel früher waren sie und er zusammen zur Schule gegangen, hatten aber nie sonderlich viel miteinander zu tun gehabt.
Sie war damals vor einem plötzlichen Gewitter in die heruntergekommene Kneipe geflüchtet, als Henri gerade an genau demselben Platz am Tresen gesessen hatte, an dem er nun wieder saß.
Zuerst war Henri nicht sonderlich begeistert gewesen, Paula wieder zu sehen, vor allem nicht in seiner damaligen seelischen Verfassung. Mit der Schule wollte er eigentlich abgeschlossen haben. Aber sie schien nicht so zu denken, setzte sich zu ihm, bestellte ein Glas Rotwein und begann ein Gespräch.
Am nächsten Abend kam sie wieder, obwohl draußen die Sonne schien, am nächsten Abend wieder und irgendwann, nach ein oder zwei Wochen, freute Henri sich sogar, sie zu sehen und mit ihr zu sprechen.
Er wusste nicht, ob es eine Art von Liebe oder Verliebtheit gewesen war, aber irgendwann wehte die Sympathie sie ins Schlafzimmer von Henris Wohnung.
Am nächsten Morgen weckte Paula ihn mit einem Kuss auf die Wange und sie gingen in seine kleine Küche, um sich Frühstück zu machen. Sie schien zufrieden zu sein, er begann sich allerdings wohl schon an diesem Punkt unwohl zu fühlen, auch, wenn er es vielleicht selbst noch nicht merkte.
Bis er merkte, dass das, was er für sie fühlte vielleicht großes Vertrauen, aber niemals Liebe war, vergingen ein paar Wochen, die für ihn mehr und mehr zur Qual wurden. Vor allem, da er merkte, wie Paula mit jedem Frühstück, mit jedem Glas Rotwein, mit jeder gemeinsamen Minute glücklicher zu werden schien.
Irgendwann ging er immer weniger ins „Bleach“, wo sie sich sonst noch die meisten Abende getroffen hatten, um dann in seine Wohnung, ins Kino, oder sonst wohin zu gehen. Wenn sie ihn anrief, erfand er Ausreden, die sie ihm anfangs vielleicht sogar glaubte. Um seine Ausreden wenigstens vor sich selbst irgendwie zu rechtfertigen, fing er an, ernsthaft für sein Studium zu arbeiten, was ihm mit der Zeit sogar so etwas wie Freude bereitete und den Professor zu beeindrucken schien.
Mittlerweile ging er überhaupt nicht mehr ins „Bleach“ und trank auch sonst kaum noch. Ans Telefon ging er kaum noch und irgendwann hörte Paula auf, anzurufen.
Als sie sich einmal zufällig in der Uni über den Weg liefen, sah sie völlig ausgelaugt aus, nicht zu vergleichen mit der Ausstrahlung, die sie ausgeübt hatte, als sie ihn ein paar Wochen vorher nach so langer Zeit im „Bleach“ wieder getroffen hatte. Sie erkannte ihn, senkte den Blick und drehte sich um, um unter den anderen Studenten zu verschwinden.
Mit der Zeit und immer weiter verbesserten Leistungen bot der Professor ihm eine Assistentenstelle an, wodurch Henri sich die größere Wohnung leisten konnte. Jetzt musste er nicht einmal mehr Tag für Tag am „Bleach“ vorbeigehen, was ihm jedes Mal einen Kloß im hals verursachte. Es schien, als hätte er mit der Sache endgültig abgeschlossen.
Bis er sie heute in der Stadt gesehen hatte und, fast wie auf Knopfdruck, zurück an den Schauplatz seines Falls in einen fast bodenlosen Abgrund gerannt war.
Henri sah den Whiskey an, den Thilo vor ihn hingestellt hatte, dann griff er in die Tasche seiner Jacke, legte ein paar Münzen auf die Theke und verließ das „Bleach“, ohne einen Schluck genommen, ohne sich noch einmal umgedreht zu haben.
Die Nachbarskinder hatten mit dem Fußballspielen aufgehört und saßen nun mit einer Tüte Gummibärchen auf der Bordsteinkante und im Treppenhaus wartete kein alter Paschke auf ihn, aber es war ja auch Bundesliga Zeit.
Henri ging in seine Wohnung, räumte endlich seine Einkäufe ein und setzte sich dann an seinen Schreibtisch, um an seiner Diplomarbeit weiter zu schreiben, von welcher der Professor meinte, dass es eine der besten seit langem werden würde.


ENDE


5.05.2007 Gedicht. Hermetisch? Handelt von Situationen, getränkt in schlichte Wortlosigkeit.

Diesen Abend soll es sein.
Wie der hermetische Dichter,
auf kristallenen Sphären,
Lass das Wort erklingen!
trunken, von leidender Leidenschaft.

Aber nein,
Wie so oft nun wieder! Keine Worte,
kristallene Sphären zerschallen,
lasst den Poeten zu Tode sich weinen!
Bis zum nächsten Mal
ist alles aus.

6.02.2007 der Brief
Indigowellen auf blassgrauen Seiten
schäumen schweigend auf die schönste Weise

und

brechen

doch

an den zerfressenen Klippen der Erinnerung,
schallend, lärmend, laut,
wie die wildesten Fluten der Welt.

10.10.2006 ein kleines Gedicht . Naja, das ist vielleicht zuviel gesagt, sind ja eigentlich nur ein paar Verse... . Wahrscheinlich kann außer mir eh keiner was damit anfangen, aber ich verbinde sehr viel damit.

Erst Frankreich und dann England
und dann das Café am Rand der Stadt.
Zwei Espresso, ein Vanilleeis,
eigentlich hätte ich's nie gedacht...
gute Reise, gute Nacht.

You and Me ist ein Gedicht über einen bestimmten Menschen in meinem Leben.

We're sitting on our wall
hold hands, smile bright grow tall.
Receive the very first kiss.
Just couldn't see the miss.

Next year us two again.
I know it's fated to damn.
You smile and say hello
I sigh, got the desire to go.

I watch the years pass by,
just sighs, just frights and lies.
Each day the same old song.
Too tired to go on.

I know you want it all,
I'm listening to your fall.
Now watch me slip away,
No more to say today.


diese Kurzgeschichte hat eigentlich keine besondere Handlung. Einfach ein ganz normaler Abend, wie ihn wahrscheinlich viele schonmal erlebt haben.

Auf dem Küchentisch hat sich schon eine beachtliche Sammlung an Bier-, Schnaps- und Weinflaschen angesammelt. Leere Bierflaschen haben irgendwie etwas billiges, von den leeren Schnapsflaschen ganz zu schweigen. Leere Rotweinflaschen dagegen wirken würdevoll. Ich meine, auch wenn die Flaschen im Supermarkt nur drei, vielleicht vier Euro kosten und jede Wodkaflasche teurer ist, so kommen einem beim Anblick leerer Bier- und Schnapsflaschen immer das Bild von irgendwelchen Pennern auf der Straße in den Sinn. Leere Wein-, vor allem Rotweinflaschen assoziiere ich jedoch mit endlos langen, philosophisch anmutenden Diskussionen. Mit Camus oder Sartre, oder was weiß ich mit wem. Leere Weinflaschen haben Würde. Punkt.

Es ist schon längst zwei Uhr nachts durch und ich starre auf das Etikett einer gerade entkorkten weiteren Rotweinflasche. Scheint irgendwas edles zu sein. Ich will gerade nach der Jahreszahl auf dem Etikett suchen, als Katja mich anstupst.

"Gibst Du mir auch mal nen Schluck ab?"

Ich reiche ihr die Flasche. "Klar. Aber entwürdige sie nicht."

Einen Augenblick schaut sie mich verwundert an. "Manchmal möchte ich wirklich wissen, worüber du dir so Gedanken machst."

Dann nimmt sie einen tiefen Schluck. Thomas lacht und trinkt ebenfalls. Ich muss auch grinsen. Irgendwie hat sie ja recht. Aber wieso sollte man sich nicht auch über leere Weinflaschen Gedanken machen?

Wir drei sind die einzigen in der Küche. Der Rest der Gäste hält sich im Wohnzimmer im ersten Stock von Jans Haus auf. Von oben kann man die Musik dröhnen hören. Die Party ist schlecht, aber das war eigentlich zu erwarten. Schließlich ist es ja Jans.

Jan ist einer dieser Typen, mit denen man eigentlich Mitleid haben müsste. Einer von denen, die immer denken, dass sie dazu gehören würden, obwohl sich die anderen hinter ihrem Rücken über sie lustig machen. Und er ist ein As in Mathe UND Physik, was ja sowieso keine besonders gute Voraussetzung ist.
Aber eine Party auf Grund verreister Eltern ist ein guter Grund über solche Sachen hinwegzusehen. Vor allem, wenn es Getränke für lau gibt. Und so stehen wir jetzt in einer luxoriösen Küche und trinken den würdevollen Wein aus dem Weinkeller von Jans Eltern. Eigentlich sind wir Arschlöcher, aber der Wein ist gut.

Katja, Thomas und ich. Immer wir drei. In dieser Konstellation haben wir es in den Irrungen und Wirrungen, die sich da Jugend nennen, ganz gut durchgehalten. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass alles dies auseinander bricht. Keine Ahnung wieso.

Thomas hat sich derweil im Schneidersitz auf den Herd gesetzt und zieht einen Joint aus seiner Jackentasche.

"Wie wär's?", fragt er und zündet ihn an. Katja nickt, nimmt den Joint zwischen Daumen und Zeige- und Mittelfinger und zieht lange. Danach gibt sie ihn an mich weiter. Auch ich nehme den Joint zwischen Daumen und Mittel- und Zeigefinger, obwohl ich mich immer wieder frage, wieso alle Welt die Dinger eigentlich immer genau so hält.
Nach dem vierten Zug muss ich husten. Thomas grinst und nimmt dann selbst noch ein paar Züge, bis das Zeug aufgeraucht ist.
"Man, riecht jetzt ganz schön nach Gras hier." sagt Katja und lächelt mich an. Ihre Wangen werden langsam rot. Alkohol gepaart mit Gras hat sie noch nie so gut vertragen. "Jans Eltern werden begeistert sein."

"Sein Problem." Thomas zuckt mit den Schultern.

Ich nicke und trinke noch etwas Wein. Ich mag den Geruch von Gras. Zusammen mit den leeren Weinflaschen ist das ebenfalls ziemlich würdevoll, denke ich.

Eine Stunde, einen weiteren Joint und noch eine halbe Flasche Rotwein später gehen wir nach Hause. Die Party war schlecht, die Musik auch und keiner mochte Jan, aber der Wein und das Gras waren in Ordnung. Und wir hatten uns, und genauso war es richtig.

ENDE


Fernweh ist ein Gedicht über Fernweh (ach wirklich...?)

Wir stehen an der Küste,
sehen aufs Meer hinaus.
Windig blaue-graue Wogen,
wenn ich jetzt nur weiter wüsste.
Nasse Wellen, feuchte Tränen,
jede ein zerplatzter Traum.
Du weißt, ich ginge weg von hier,
wenn ich nicht nach Hause müsste.
"Morgens früh lief ich hinaus
Das Gras war feucht vom frischen Tau
Ich schaute und war voller Glück
Verrückt, denn alles stimmt genau"

-Dirk von Lowtzow
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